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Förderung der Lernkompetenz

Lehrende stehen im Verlauf des Bildungsprozesses immer wieder vor der Entscheidung, wie viel sie steuern (Fremdsteuerung) und wie viel Verantwortung sie den Studierenden übertragen (Selbststeuerung). Mit dem Fokus auf die Selbständigkeit und Praxisfähigkeit der Studierenden gilt es den Lehr- und Lernprozess entsprechend zu planen, anzuleiten und zu begleiten.

Selbstgesteuertes Lernen bedingt die Förderung von Lern- und Arbeitsstrategien, welche es den Studierenden ermöglichen, die Lerninhalte und Kompetenzen gezielter und effektiver aufzubauen. Dabei entwickeln sich je nach persönlichen Präferenzen verschiedene Lernstrategien. Diese können nach Baumert (1993) in verschiedene Dimensionen eingeteilt werden:

Kognitive Lernstrategien:

  • Organisation
  • Zusammenhänge-Elaboration
  • Wiederholen
  • Kritisches Prüfen

Metakognitive Lernstrategien:

  • Planung
  • Selbstüberwachung
  • Regulation

Ressourcenbezogene Lernstrategien:

  • Interne Ressourcen: Anstrengung, Aufmerksamkeit, Zeitmanagement
  • Externe Ressourcen: Lernumgebung, Lernen mit Studienkollegen/innen
  • Literatur

Differenzialdiagnostische Erfassung von erfolgreichen Lernstrategien

Lernen ist eine hoch individuelle Angelegenheit. Aus diesem Grund ist es von zentraler Bedeutung, dass es keine allgemeingültigen Lernstrategien gibt. Vielmehr muss jede Person für sich selbst definieren, mit welchen Lernstrategien sie am effektivsten lernen kann. Helfen kann dabei ein Lernstrategietest, welcher elektronisch ausgefüllt werden kann. Mehr dazu lesen Sie bitte im Kästchen unterhalb des Textes. Wichtig ist auch zu wissen, dass nicht jede auch erfolgreiche Lernstrategie für jedes Fach oder jeden Lerninhalt geeignet ist.

Anwendung von Lernstrategien

In einer Studie von Schubiger (2010), welche am Zentrum für berufliche Weiterbildung St. Gallen durchgeführt wurde, hat sich gezeigt, dass das Wissen über Lernstrategien noch lange keine kompetente Anwendung in Lernsituationen zeigt. Die Studie hat vier verschiedene Vergleichsgruppen untersucht. Bei der ersten Gruppe wurde das Lernstrategietraining von allen unterrichtenden Lehrpersonen in den Unterricht integriert. Bei der zweiten Gruppe arbeitete nur eine der unterrichtenden Lehrperson mit Lernstrategien. Bei der dritten Gruppe wurde ein Lerntechnikkurs durchgeführt und bei der vierten gar keine Intervention getätigt. In der zweiten Versuchsgruppe, in der lediglich eine Lehrperson ein Lernstrategietraining durchgeführt hat, verschlechterte sich innerhalb der gemessenen Zeit die Anwendung von Lernstrategien am meisten. Am erfolgreichsten zeigte sich die erste Versuchsgruppe, bei der ein integriertes Lernstrategietraining bei allen Lehrpersonen stattgefunden hat. Das heisst, dass alle Lehrpersonen während des Unterrichts die Anwendung von Lernstrategien während Phasen des selbstgesteuerten Lernens gefördert haben. Die Anwendung von Lernstrategien funktioniert also dann am besten, wenn alle Beteiligten auf das gleiche Ziel hin arbeiten.

Stufen auf dem Weg zur Selbststeuerung

In Anlehnung an Grow (1993) werden vier Stufen von der angeleiteten Lehr- und Lernform bis zur kooperativen offenen und somit selbstgesteuerteren Lernform beschrieben. In der ersten Stufe handelt es sich um eine „geringe Selbststeuerung“. Diese wird gefolgt von der „moderaten“ und der „mittleren Selbststeuerung“. Die vierte und damit höchste Stufe beinhaltet eine „hohe Selbststeuerung“. Dabei ist zu erwähnen, dass innerhalb des Unterrichts eine völlige Selbststeuerung nicht erreicht werden kann. Denn in einer vorstrukturierten Lernumgebung mit definierten Unterrichtszielen und -zeiten, kann die lernende Person nur bedingt darüber entscheiden, wie, wann und was sie lernen möchte. Studierende müssen an das selbstständige Arbeiten gewöhnt bzw. dazu angeleitet werden. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie von Beginn weg selbstgesteuert lernen und dazu noch die richtigen Lernstrategien einsetzen.

Arbeitsaufträge zur Förderung des selbstgesteuerten Lernens

Geeignete Arbeitsaufträge können das selbstgesteuerte Lernen fördern. Deshalb empfiehlt es sich bei der Erteilung von Arbeitsaufträgen, die folgenden Aspekte zu berücksichtigen. Arbeitsaufträge sollen für die Studierenden Sinn machen und an ihre Arbeitswelt anknüpfen. Die Studierenden sollen ihre Bedürfnisse einbringen und gezielt Kompetenzen aufbauen können. Sie werden aufgefordert, ihr Vorwissen abzurufen, neues Wissen zu generieren, Fertigkeiten einzuüben und die Lernsituation zu reflektieren. Arbeitsaufträge sind so zu gestalten, dass immer wieder kleine Erfolge möglich sind und die Motivation gefördert wird. Den Studierenden gebührt je nach Stufe der Selbststeuerung von Lehrenden das richtige Mass an Unterstützung und Gestaltungsraum für entdeckendes Lernen. In Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit übernehmen die Studierenden Verantwortung für ihr Lernen. Nachdem die Klärung der Vorgaben und Voraussetzungen stattgefunden hat, enthält ein guter Arbeitsauftrag sechs Schritte:

  1. Ausgangslage kurz beschreiben
  2. Ziele definieren
  3. Auftrag in einfachen kurzen Sätzen formulieren, aufgrund des unterschiedlichen Lerntempos motivierende Zusatzaufträge formulieren (Pflicht und Kür)
  4. Kriterien der Auftragserfüllung erläutern
  5. Organisation: Sozialform, Infrastruktur, Arbeitsmittel bestimmen
  6. Zeit vorgeben

Unter folgendem Link können Sie das Handbuch „Lernstrategien“einsehen und einen eigenen Lernstrategietest ausfüllen: http://ausbilden.zbw.ch/lernstrategie/

Autorin

Yvonne Steiner
MAS in Berufspädagogik
Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums für angewandte Berufspädagogik
Lehrgangsleiterin Berufsbildnerkurse, Weiterbildungen Gesundheit Sargans

Das Anmeldefenster für das Symposium 2016 ist offen

«Berufsbildungsprofis – miteinander/ nebeneinander/ gegeneinander?»

Freitag, 9. Dezember 2016 in St. Gallen

Die berufliche Grundbildung der Schweiz beruht auf drei Säulen; der Bildung im Betrieb, in überbetrieblichen Kursen und in der Berufsfachschule.  An den drei Lernorten werden die für einen bestimmten Beruf erforderlichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt und erworben.

Arbeiten die Berufsbildungsverantwortlichen der drei Lernorte miteinander, bloss nebeneinander oder gar gegeneinander? Dieser Frage gehen wir am 7. Berufsbildungssymposium des OKB vertieft nach. Wir freuen uns, wenn Sie in Ihrer Agenda das Datum reservieren und sich zum Symposium anmelden.

 

Moderation
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Er kennt die Berufsbildung mit all ihren Facetten.

Prof. Dr. Maximilian Koch, PHSG

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Referate

«Professionalität entsteht, wenn Wissen und Praxis gekoppelt sind – hat der Bund die Voraussetzungen für eine gelebte Lernortkooperation geschaffen?»

Referat Josef Widmer, stellvertretender Direktor SBFI, Bereichsleiter Berufsbildung und
Allgemeine Bildung

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«Lernortkooperation – Idee oder Wirklichkeit?»

Kurzreferat Ruedi Giezendanner, Leiter Amt für Berufsbildung Kanton St.Gallen

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«Zwischen dem Selbst- und dem Unverständlichen – Warum fällt
Berufsbildungsverantwortlichen das Zusammenarbeiten oft so schwer?»

Referat Prof. Dr. Dieter Euler, Direktor Institut für Wirtschaftspädagogik, Universität St.Gallen

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Foren zur Wahl
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«Profis im Café»

Sie tauschen sich in Ihrem Berufsfeld zur Thematik der Lernortkooperation aus. 

 

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«Der 4. Lernort stellt sich vor»

Sie erhalten Informationen zu «SwissSkills/WorldSkills» und «Schweizer Jugend forscht».

 

«SwissSkills/WorldSkills» Hans UIrich Stöckling

 

 

«Schweizer Jugend forscht» Christoph Gerber

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«Talk mit Josef Widmer, Stv. Direktor SBFI»

Sie treten in den Dialog zum Thema Kooperation in der Berufsbildung.

 

 

 

 

Prof. Dr. Martin Annen, Prorektor der Sekundarstufe I/II PHSG, moderiert den Talk mit Josef Widmer

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 Das Organisationskomitee des Symposiums 2016

Joe Gerig Peter Müller Michèle Collenberg
Joe Gerig Prof. Dr. Peter Müller Michèle Collenberg
ZbW PHSG IWP-HSG

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Supporter

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